"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

17.05.2017
Liebe Tierfreunde, Kai Richter hat die April-Fahrt in einem sehr schönen Reisebericht mit vielen Bildern zusammen gefasst.

Prolog

Die Tür meines Hotelzimmers schloss mit einem satten Ton hinter mir und ich lehnte für einen kurzen Moment an ihr. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass der Nachmittag schon verstrichen war und sich das Licht des Tages langsam mit den warmen Farben der Dämmerung verabschiedete. Nur kurz ausruhen, einfach die Beine austrecken und mein kurzer, tiefer Schlaf wird von den Tönen des Handys unterbrochen. Gut, dass es Menschen gibt, die nachfragen, ob man gut angekommen ist. So sicher bin ich mir nicht, ob aus dem geplanten kurzen Ausruhen nicht doch ein längeres Nickerchen geworden wäre.

Mit fast 6 Stunden Verspätung haben wir endlich unser Ziel erreicht, sind endlich in Oroshaza angekommen. „Was für eine Fahrt!“ Alles begann wie bei jeder Fahrt. Am Nachmittag des Vortages bin ich in Norddeutschland mit einem gut gefüllten Spenden-PPH-Mobil gestartet. Auch eine vierbeinige Begleitung war an Bord. Lizi hat nach einem Umweg endlich ihren Menschen gefunden und wartet geduldig in ihrer Box. Der übliche Stau in und um Hamburg bremste uns das erste Mal aus. Kein Grund zur Besorgnis. Alles schon erlebt. Ein kurzer Zwischenstopp an der Rastätte Holmmoor. Sachspenden werden noch zugeladen und weiter geht’s. Ca. anderthalb Stunde später bin ich nicht mehr allein als Fahrer. Meine Teamkollegin Monika ist inzwischen zugestiegen und bis Kassel, unserem nächsten Zwischenstopp, haben wir eine reibungslose Fahrt. Verena wartet auf uns und so geht die Fahrt als Trio weiter.

Nachdem wir die deutsch-österreichische Grenze passiert haben, beunruhigt uns ein ungesund klingendes Geräusch, das das PPH-Mobil macht und zwingt uns zu einem ungeplanten Halt. Wir sind uns sicher, dass das Geräusch vom hinteren rechten Reifen kam und dies bestätigte sich nach ein Griff an die Felge. Diese ist eindeutig zu warm gelaufen. Wir entscheiden dann, den Pannenservice des Herstellers anzurufen, der uns eine Werkstatt im nahe gelegenen St. Pölten nennt. Es ist ca. 5:00 Uhr und die Werkstatt öffnet um 7:30 Uhr. Somit werfen wir jegliche Zeitplanung über den Haufen und sitzen die Zeit in der Raststätte regelgerecht ab. Meine Hoffnung, dass die Werkstatt vielleicht mitten in St.Pölten, einer der ältesten Städte Österreichs, liegt und wir vielleicht uns die Zeit mit einem frümorgendlichen Sightseeing verteiben könnten, wurde nicht erfüllt. Aber die Erkenntnis, dass sich ein österreichisches Gewerbegebiet wenig von einem deutschen unterscheidet, hat ja auch was für sich. Gegen 10:00 Uhr wurde uns das PPH-Mobil wieder repariert übergeben. Die hintere rechte Bremse war eingerostet, konnte aber nach Ausbau, Säuberung und Schmierung wieder instandgesetzt werden. Wir setzen unsere Reise fort. Fast fünf Stunden Fahrt bis zu unserem ersten Ziel, dem Tierheim Kiskunfelegyhaza, liegen jetzt noch vor uns. „Das passt!“

Einen Hund schon auf der Hinfahrt seinem neuen Menschen anzuvertrauen, ist ungewöhnlich, aber auch ein erstes Highlight und eine willkommene Abwechslung. Denn wie bei den Fahrten zuvor prägt sich Kilometer um Kilometer der Autobahnen eher als eine trostlose Erinnerung ein. Umso schöner dann die Begegnung mit Lizis neuem Menschen. Wir haben alle ein Gefühl: „ Das passt!“. Später erfahren wir, wie glücklich Mensch und Hund zusammen sind.

 

„Rocky ist nicht mehr allein“

„Hallo, Kata, wir sind ca. 14.30 Uhr im Tierheim Kiskunfelegyhaza.“

„Hallo, Kata, wir stehen im Stau und sind ca. 14:50 Uhr im Tierheim.“

„Hallo, Kata, wir stehen schon wieder im Stau. Sind ca. 15:30 Uhr im Tierheim.“

Und endlich fahren wir auf die Einfahrt des Tierheimes in Kiskunfelegyhaza. Die Tierheimmitarbeiterin Dia begrüßt uns sehr herzlich und wir fangen direkt an, die zahlreichen Spenden für das Tierheim auszuladen. Dia freut sich immer sehr und an dieser Stelle auch unser Dank an die vielen treuen Spender.

Monika und Dia fangen an, die Impfpässe und die Chipnummern der mitreisenden Hunde zu kontrollieren und abzugleichen. Dann beginnen wir unseren kleine Rundgang durch das Tierheim.

Immer wenn ich im Tierheim bin, frage ich nach meinem Vermittlungshund Rocky. „ Er ist nicht mehr allein“, berichtet Dia. Dem Tierheimteam ist es gelungen, ihn mit der wunderbaren Hündin Szeder bekannt zu machen und er versteht sich sehr gut mit ihr. Rocky ist ein wirklich toller Hund geworden. Er ist sehr aufmerksam und gelehrig. Seine Aufmerksamkeit gehört ganz uns, denn die mitgebrachten Leckerchen duften verführerisch und Rocky zeigt sich von seiner besten Seite. Szeder hält sich etwas vornehm im Hintergrund, traut sich dann aber doch, auch mal eine Leckerei abzustauben, bevor Rocky alles wegputzt. Rocky hat eine sehr gute Entwicklung im Tierheim gemacht. Dia und ihr tolles Team haben mit ihrem Engagement viel zu den positiven Veränderungen vor Ort beigetragen.

Eine weitere Bewohnerin des Tierheimes ist die wunderbare Hündin Bikfic. Für Bikfic bringen wir zu jeder Fahrt spezielles Allergiefutter mit. Jede Art von Geflügel verträgt sie nicht. Endlich lerne ich sie auch einmal kennen. Sie ist so reizend und charmant. Ihr ganzes Wesen ist einfach nur liebenswert und sie steht stellvertretend für die vielen andere, hier nun ungenannten Hunde, die im Tierheim darauf warten, gesehen zu werden.

 

„Die Augen eines Hundes sprechen eine ganz besondere Sprache, die direkt aus dem Herzen kommt.“

Mit diesen Worten eines unbekannten Verfassers möchte ich in meine kleine Galerie

der Bilder einladen, die unsere Hunde im Tierheim Oroshaza und der Pflegestation zeigen und die oben geschriebenen Worte ein bisschen bestätigen.

 

Momentaufnahmen: Mensch und Hund

 

 

Begegnungen

Bei unserem Besuch im Tierheim Oroshaza und der Pflegestation begegnen wir den uns liebgewordenen Menschen. Icus und Judit warten schon auf uns und freuen sich über die mitgebrachten Spenden und auch die Damen aus Kondoros freuen sich wieder sehr, dass ihr Auto wieder mit zahlreichen Spenden gefüllt wird. Robi wird uns später in der Pflegestation mit süßen Leckereien überraschen.

 

Und natürlich begegenen wir unseren Hunden, die unsere Besuche immer als willkommene Abwechslung des tristen Tierheimalltages genießen. Es sind zu kurze Momente.

Beim gemeinsamen Abendessen nimmt die Planung der Quarantäne abschliessende Formen an und inzwischen ist mit der Verwirklichung dieses wichtigen Vorhabens begonnen worden.

Auf dem Heimweg begegnen wir den gespannt wartenden neuen Familien unserer Hunde, die glücklich ihr neues Familienmitglied in Empfang nehmen. Es sind auch wieder kurze Begegnungen.

Epilog

Die Begegnungen in Ungarn sind kurz. Die Anstrengungen der Fahrt steckt uns in den Knochen. Die Rückfahrt rückt schnell näher und man fährt immer wieder in Richtung Heimat mit dem Gefühl, dass man ein oder zwei Tage mehr bräuchte, um das alles zu tun, was man versucht in die kurze Zeit des Aufenthaltes zu packen. Und so war schon vor dieser Fahrt geplant worden, im Mai diesen Wunsch in die Tat umzusetzen und einige Tage länger in Ungarn bei unseren Freunden und Hunden zu bleiben. Bald ist es schon so weit und wir werden berichten.

Mein herzlicher Dank geht an Monika und Verena für eine schöne Fahrt, sowie an Daniela Herr, die sich ein weiteres Mal als Fahrerin auf der Rückfahrt zur Verfügung gestellt hat.

Kai Richter vom Pusztahunde-Team

 

 

 

 

 

 
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