"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

17.10.2017
Liebe Tierfreunde,
gelegentlich erzählen wir an dieser Stelle von schönen Happy Ends. Auch das von Radar ist sehr berichtenswert, wie wir finden. Und so möchten wir es Ihnen nicht vorenthalten.

Stellen Sie sich folgendes vor: Der Hund hat über Jahre gedient. Als Wachhund zum Beispiel. Oder vielleicht hat er auf die Hühner des Bauern aufgepasst, auf dass sie nicht vom Habicht geholt werden. Er lag an der Kette und hat nur das nötigste bekommen. Irgendwann war der Hund alt. Zu alt für seine Aufgabe. Überflüssig geworden, nennt man das wohl. In Futter wollte sein Besitzer nicht mehr investieren. Deshalb warf er den Hund kurzerhand aus dem Auto und fuhr in rasantem Tempo weg. Der alte Hund wollte noch hinterher laufen, erkannte aber sehr schnell, dass er chancenlos war. Immerhin wurde er in der Nähe des Tierheims entsorgt und die Mitarbeiter sahen alles. Sie kümmerten sich gleich um den verstörten Alten. Als man ihn eingefangen hatte, wurde bemerkt, dass sein Rücken mit Wunden übersät war -wahrscheinlich von Schlägen- und diese bereits mit Parasiten befallen waren.
Im Tierheim wurde aus „dem Hund“ dann „Radar“. Wegen seiner hübschen Peil-Öhrchen. Aus dem Geknechteten wurde ein Lebewesen, das sehr menschenbezogen und freundlich war.
Leider entspricht unser netter Radar aber so gar nicht dem Geschmack der Zeit, wo bullige Bulldoggen und elegante Australien Shepards in Mode sind. Und so musste der gute Junge 3 Jahre im Tierheim ausharren, bis er entdeckt wurde.

Am 11.11.2016 war es dann endlich so weit. Er durfte reisen. Diejenigen unter Ihnen, die sich ein wenig im Rheinland auskennen, wissen, was der 11.11. für ein Datum ist: der Beginn der närrischen Zeit, dem Karneval. Der 5. Jahreszeit. Eine fröhliche Zeit. Ob Radar ein „Karnevalsjeck“ ist, ist nicht überliefert, aber eines ist sicher: mit dem 11.11. begann auch für den alten Zausel seine persönlich bunteste Zeit überhaupt.

Frauchen hatte sich gemeldet mit dem Ansinnen, einem Hund eine Chance zu geben, der von niemandem sonst eine bekommen würde. Größe, Aussehen und Alter spielten keine Rolle. Radar passte da perfekt. Aber natürlich fragt man sich (Übernehmer wie Vermittler gleichermaßen) trotzdem, wie wird sich wohl ein alter Zauselbär, der aus der reizarmen Puszta stammt und dort noch reizärmer an der Kette und im Tierheim gelebt hatte, auf einem Reiterhof mit Pferd und Katz und Allerlei und vielen Kindern auf Besuch präsentieren? Noch dazu sollte er mit dem ein oder anderen Rüden nicht so gut Freund sein. Aber Frauchen war gut gerüstet, mit einem Plan, Geduld und keinerlei Erwartungen. Und so klappte das Einleben recht zügig und problemlos.

Und nun lassen wir Radars Frauchen selbst erzählen, wie alles gekommen ist: „Raddibär war auf jeden Fall ein Sechser im Lotto, so ein lieber, anhänglicher, unkomplizierter und freundlicher Hund. Ich wollte nur berichten, dass es ihm sehr gut geht, er erfreut sich bester Gesundheit und tobt über die Wiesen, sein Alter (13) merkt man ihm wirklich nicht an.

Ich hatte schon geschrieben, dass es ja mit den anderen Tieren gar kein Problem ist. Die Katze geht mit uns spazieren, meine Wellensittiche sind kurz davor, ihm auf der Nase zu landen ;-) ...Pferde sind eh kein Problem…er ist eigentlich zu allen Vierbeinern sehr freundlich. Hatte mit ihm auch mit anderen Rüden noch nie Probleme. Die Gästekinder lieben ihn alle heiß und innig und er genießt das sehr…. bleibt aber trotz aller Freundlichkeit ein Ein-Frau-Hund und lässt mich nie aus den Augen. Aber das ist wahrscheinlich bei den Tierheimhunden schon sehr verstärkt da. Er gehorcht sehr gut und will immer alles recht machen.

Viele Grüße vom Raddibär und mir und danke für diesen tollen Hund :-)“

Haben Sie es gelesen? Raddibär!!! Was für eine wunderschöne Karriere der alte Zausel hingelegt hat. Er ist vom Gegenstand Kettenhund zum Lebewesen Radar und schließlich zum beliebten und geliebten Raddibär geworden. Das sagt doch einfach alles.

Mach es gut, alter Zausel. 13 Jahre sind für so einen zähen ungarischen Terrier-Schnauzer-Peilohren-Hund wie dich doch hoffentlich erst der Anfang einer wunderbar bunten und ausgelassenen Zeit. Genieße dein Glück mit deinem tollen und mutigen Menschen in vollen Zügen. Du und sie. Ein Hund-eine Frau-ein Team.

Ach wäre es doch nur immer so schön wie mit euch beiden. Wir werden euch nie vergessen.

Euer Pusztahunde-Team.

 
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