"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

04.01.2019
Liebe Tierfreundinnen und liebe Tierfreunde,
das Jahr ist wie im Flug vergangen. Lassen Sie uns zurückblicken und schauen, was wir in 365 Tagen gemeinsam mit Ihnen bewegen konnten. Welche besonderen Ereignisse gab es, welche kleinen und großen Katastrophen, die man vielleicht schon wieder vergessen hat.

Medizinische Versorgung: 10.988€. Kastrationen: 12.841€. Futter: 28.100€. Das sind die harten Fakten. Sage und schreibe 51.929€ sind das insgesamt, die wir in das Wohlergehen unserer Hunde investieren konnten. Grund genug, allen unermüdlichen Spendern dafür zu danken. Ohne euch, wäre das nicht möglich gewesen.

Und dann sind da ja auch noch die Spenden, die wir 2018 sammeln konnten, um 2019 eine neue Gehegereihe, ein weiteres Gehege für unsere Unvermittelbaren und vielleicht sogar noch einen Auslauf für unsere großen Hunde wie Tinka, Dina und Dollar zu bauen. Die Planung dafür läuft auf Hochtoren und sobald das Wetter im Frühjahr mitspielt, legen wir los. Auch hier ein Hoch auf die Spender.

2018 konnten wir mehr als 170 Hunde vermitteln. Alte, kranke, Hunde mit Herzwürmern, gesunde, junge und vieles mehr. Eine bunte Mischung, von denen zum Glück nur eine Handvoll wieder zu uns zurückkamen, weil es nicht gepasst hat. Wie viele Stunden da dahinterstecken, um so vielen Hunden zu einem neuen Zuhause zu verhelfen, vermag ich nicht zu sagen. Die Vermittler stellen Hunde ein, telefonieren, schreiben, beraten, hinterfragen vorher, währenddessen und nachher. Oftmals auch ohne das erhoffte Ergebnis. Manchmal doppelt. Die Übersetzer übersetzen fleißig wie die Bienchen, die Vorkontroll-Damen investieren eine Menge Zeit in Recherche, Kontaktpflege und natürlich auch Vorkontrollen. Manchmal adoptieren sie auch einen Hund zwischendurch. Die Fahrer fahren und opfern ihren Urlaub.

Wenn ich mal von durchschnittlich 10 Stunden ausgehe, die jeder Hund bis zur Vermittlung „kostet“, dann sind wir bei 1.700 Stunden, also ungefähr 70 Tagen. Mehr als 2 Monate ist das Team also nur für das PPH beschäftigt gewesen. Dazu kommen dann noch die vielen Stunden der Verwaltung, Kasse machen, Steuern machen, planen, webmastern, Mails schreiben, Hompepage-Pflege, Networking, rechtliche Dinge schaukeln, Rückläufer aufnehmen und beherbergen und, und, und.

Worauf ich hinaus will, ist, dass ich mich an dieser Stelle bei jedem Einzelnen im Team bedanken möchte für all die Arbeit, die geleistet wird, die ganze Zeit, die aufgewendet wird, die Nerven, die verbraucht werden. Toll, dass Ihr dabei seid!!!

2018 gab es im PPH leider auch eine unrühmliche Premiere. Der erste Transport der PPH-Geschichte fiel ins Wasser, weil der Transporter mit einem Schaden in Prag brandete. Egal, wer was wie unternahm, nichts fruchtete. Kein Ersatzfahrzeug konnte gestellt werde – trotz Mobilitätsgarantie. „Bereits“ gute 2 Wochen nach der Panne konnte Mercedes unseren Transporter wieder fit machen. Geht doch. Oder finden Sie vielleicht, dass ein Weltkonzern wie Mercedes sich ein bisschen mehr für den Tierschutz hätte einsetzen können?

Am 26.9. hatten wir uns bei Mercedes beschwert und um rasche Klärung der Angelegenheit gebeten. Bereits am 5.12.2018 erhielten wir eine Antwort von Mercedes: „blablabla…vielen Dank für Ihre Nachricht vom 26. September 2018. Für meine verspätete Antwort zuvor bitte ich um Nachsicht, sie war meinen intensiven Recherchen für Sie geschuldet. Dass Ihnen durch den Werkstattaufenthalt in Tschechien so große Unannehmlichkeiten entstanden sind, bedauere ich sehr….blablabla… Ich hoffe, Ihnen hiermit ein wenig behilflich gewesen zu sein. (Anmerkung der Redaktion: nein) Wenn Sie weitere Fragen zu anderen Themen haben – ein Anruf genügt!“ Zu wissen, dass bei Fragen immer jemand für einen da ist, gibt einem doch wirklich eine gewisse Sicherheit! Es drängt sich die Frage auf, wie viele Hunde wir denn wohl vermittelt bekämen, wenn wir uns mehr als 2 Monate Zeit mit der Beantwortung von Anfragen ließen. Es mag sich jeder selber seine Gedanken dazu machen.

Ende des Jahres nahm das PPH an einem Voting-Wettbewerb von Canada Life teil. Dabei ging es darum, online möglichst viele Stimmen für uns abzugeben, damit wir als 1. Preis 2.500 € gewinnen. Dieses Geld sollte für neue Hundehütten für Kiskunfélegyháza genutzt werden. And, the winner was……..das PPH!!! Wirklich viele Menschen haben mitgemacht und jeden Tag für uns abgestimmt. Sollten wir Sie möglicherweise terrorisiert haben, mit unseren penetranten Erinnerungen, doch bitte täglich!!! Für uns abzustimmen, dann tut es uns leid. Aber es hat sich wirklich gelohnt. 60 Hütten konnten mit diesem Geld und weiteren Spenden für Kiskun angeschafft werden. Unsere ungarischen Partner waren sehr dankbar und auch mächtig stolz, dass sich ganze Menschenmassen für sie ins Zeug gelegt haben. Natürlich hat auch halb Kiskun mit gevotet. Gemeinsam geht halt fast alles.

Das alte Auto von Icus, der Tierheimleiterin aus Orosháza war Schrott. Dank fleißigen Spendern konnte Icus im November einen schnittigen Hyundai-Van den ihren nennen. Diese emotionale Mail erreichte und daraufhin: „Wir können unsere Hunde endlich in Hitze und Frost transportieren und wir müssen nicht befürchten, dass sie einen Hitzschlag bekommen oder ihren Körper auskühlen. Unser altes Auto war weniger geeignet, um einen flüchtigen, eingeschüchterten Hund zu fangen und ihn sicher zu machen. Es ist eine wunderbare Sache zu fühlen, dass wir immer auf Sie zählen können! Vielen Dank an das Projekt Pusztahunde Team und jeden Spender für die Unterstützung!“

Es gab 2018 übrigens noch eine Premiere. Aufgrund einer Katzenschwemme in Kiskun sammelte das PPH erstmalig Spenden für die dortigen Samtpfoten. Es kamen einige Futter, Sachspenden und auch Geldspenden zusammen, mit denen wir die ungarischen Pflegestellen unterstützen konnten. Die Kastrationen der Katzen haben wir natürlich auch übernommen, damit hier kein ungewollter Nachwuchs mehr entstehen kann. Die Pflegestellen in Ungarn sind für die Unterstützung sehr dankbar.

2018 gab es wieder ein PPH-Treffen, nachdem es 2017 ausgefallen war. Auch wenn das Wetter eher bescheiden war, war es doch ein Erfolg. Erstmals waren die Tierheimleiterin aus Kiskunfélegyháza dabei und die dortige Hundetrainerin. Beiden hat es bei uns gut gefallen. 2019 wird es wieder ein Treffen geben, aber diesmal mehr in Richtung Westen, damit auch mal Nicht-Nordlichter die Möglichkeit auf ein Treffen haben. Also liebe Westler, merkt euch schon mal Anfang September vor. Wo und wann genau das nächste PPH-Treffen stattfinden wird, ist noch nicht klar. Aber die Team-Mitglieder aus dem Westen stehen quasi in den Startlöchern, um mit der Planung zu starten.

2018 gab es viele ganz großartige Vermittlungen. Hier nur eine kleine Auswahl davon: Der viel rumgereichte Elvis fand sein endgültiges Traumzuhause. Matteo und Elisa, für die sich während ihrer ganzen langen Tierheimzeit niemand interessiert hat, durften fast zur gleichen Zeit zu ihren neuen Familien ziehen. Der unendlich liebebedürftige Hugo fand endlich zwei Privatkuschler. Die sehr scheue Zokni durfte nach langer Zeit ausreisen und heißt nun nur noch „Rambo“. Vorbei ist es mit der Schüchternheit. Der alte Tati durfte zu unseren lieben Raphaela ziehen, die irgendwie einen Fimmel für Labbis zu haben scheint. Feka zog bei unserer Annette ein, die irgendwie einen Fimmel für ältere schwarze Hunde zu haben scheint. Dörmi musste lange warten auf sein Glück. Nun genießt er es doppelt und dreifach bei einer lieben Freundin des Vereins. Csöpi durfte zu ihrem Sohnemann ziehen, Menta zu ihrem Bruder Menö. Der Langzeitinsasse und Epileptiker Bucó hatte Pech, weil er einen Anfall hatte am Tag des Transportes und nicht mitfahren konnte. Wenig später hatte er mächtig Glück, denn er konnte auf einen Privattransport aufspringen, der für einen Epileptiker sicher viel stressfreier ist. Der arthritische Fejes durfte bei unserer Brigitte einziehen, die irgendwie einen Fimmel für große helle Hunde zu haben scheint. Die kleine Mokus durfte bei Nicole (also quasi bei mir) einziehen, weil sie so ein niedlicher Draufgänger ist und Nicoles Herz im Sturm eroberte als Nicole sie im März im Tierheim sah, wie sie hundsmager, aber sehr lebensfroh durch den strömenden Regen lief. Und Nicole hat eigentlich nicht mal einen Fimmel für Trethupen. Damit haben ca. 95% des PPH-Teams nun einen oder mehrere Pusztahunde daheim. Aber keine Sorge, es bleiben (leider) genügend Hunde zur Adoption übrig.

Jeder Vermittler hat im Jahr so ein, zwei oder fünf ganz besondere Vermittlungen. Eine dieser ganz besonderen Vermittlungen war 2018 für mich die von Elke. 2015 kam sie mit etwa 7 Jahren ins Tierheim. 7 Jahre hatte sie an der Kette verbracht und nie wurde sie in dieser Zeit gemocht. 3 Jahre war sie dann noch im Tierheim, bevor sie entdeckt wurde. Im Tierheim war sie nur eine von vielen. Sie hatte es auch dort nicht geschafft, jemandem besonders wichtig zu werden. Anfang Oktober, mit ungefähr 10 Jahren, reiste sie nach Deutschland. Ihre Menschen waren vom ersten Augenblick an begeistert von Elke und Elke war begeistert von ihren Menschen. Sie war begeistert von allem, was sich ihr bot. Nach ein paar Tagen bekam ich Bilder von ihr, die einen komplett veränderten Hund zeigten. Elke war glücklich. Das erste Mal in ihrem langen Leben einfach glücklich. Alle liebten Elke und sie war nach kurzer Zeit bekannt wie ein bunter Hund in ihrem Viertel. Aber im echten Leben liegen Licht und Schatten oftmals sehr dicht beieinander. Denn Elke war zu dieser Zeit bereits krank. Ein bösartiger Tumor schwebte wie ein Damoklesschwert über ihr und ihrer Familie. Und leider wuchs der Tumor rasend schnell. So blieben der netten Elke nur ein bisschen mehr als 2 Monate im Paradies, bevor sie es als glückliches und geliebtes Familienmitglied am 2. Weihnachtstag wieder verlassen musste.

Warum nur hatte sie so wenig Zeit??Warum konnten ihre Menschen sie nicht ein Jahr früher entdecken???Warum musste sie einen so bösartigen Krebs haben?? Kein „Warum“ kann je beantwortet werden. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass sie sich mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedete. Sie lebte ihr komplettes Leben in nur 2 Monaten und hat alles mitgenommen, was nur ging.

Lassen Sie uns von Elke etwas lernen und das Jahr 2019 genießen, so gut es nur geht. Realisieren Sie etwas, was Sie sich schon lange vornehmen. Denn Zeit ist endlich… In diesem Sinne wünscht Ihnen das gesamt Pusztahunde-Team ein gesundes 2019. Bitte bleiben Sie uns auch im neuen Jahr gewogen.

Herzliche Grüße, Ihr Pusztahunde-Team

 
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