"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Zuhause gefunden

Vándor

Als Vandor bei uns einzog, war ich der glücklichste Übernehmer aller Zeiten, jedenfalls für einige Stunden.

Dann begannen die Probleme, die ich mir zuvor nicht mal im Ansatz hätte vorstellen können. Schließlich bin ich seit über vierzig Jahren Hundehalter und seit über zehn Jahren in der Vermittlung, mit reichlich Erfahrung auch mit komplizierten Hunden. Es war ein Ataxiehund dabei, ein Hund mit Deprivationssyndrom vom Feinsten und etliche andere Hunde, die mich mal mehr, mal weniger forderten, bzw. es noch tun.

Doch dann kam Vandor!

Groß (das ist mein Deprivationshund Hägar aus Orosháza auch, nur wenig kleiner als Vandor), jung, energiegeladen und dazu mit einem enormen Anteil eines Komondors in seinen Genen. Auch solche Hunde kannte ich schon, die einen eigenen Kopf hatten und noch lange nicht das taten, was ich mir so vorstellte.

Doch Vandor war zusätzlich völlig durchgeknallt. Er wusste nicht, ob er erst über Tische und Bänke springen, erst seine neuen Besitzer mit voller Wucht zum Umfallen bringen sollte, indem er ständig an ihnen hochsprang, mit Anlauf natürlich, die anderen Hunde nerven und umrennen, oder doch lieber den Katzen Angst und Bange machen sollte? Und vieles mehr.

Vor einer Sache war ich mit Respekt herangegangen und das war die Leinenführigkeit. Schließlich sind wir nicht mehr die Allerjüngsten. Doch das sollte sich als kleinstes Problem herausstellen, denn Vandor war von Anbeginn ziemlich manierlich an der Leine unterwegs.

Was nicht heißt, dass er auch sogleich stubenrein war. Alle halbe Stunde sind wir mit ihm in den Garten, auch nachts war an durchschlafen nicht mehr zu denken, meine Nerven lagen inzwischen blank.

Niemals hätte ich es für möglich gehalten, aber ich habe wirklich an eine Rückgabe gedacht, weil Vandor einfach nicht ansprechbar war, er überhörte und übersah meine Signale, als wenn es sie gar nicht gäbe. Und ich musste auch an meine anderen Tiere denken, die nur noch eingeschüchtert durch das Haus schlichen, wenn sie sich nicht sogar gänzlich zurückzogen. Hägar fiel in sein Deprivationsverhalten zurück, die ältere Katze lebte nur noch im Treppenhaus und der sonst so liebevolle Levi zeigte, aus Selbstschutz, immer wieder, welch ein bissiger Hund in ihm wohnt.

Dann kam der Abend, an dem sich das Blatt wendete. Ich, der Hundehalter der eher leisen Töne, wurde wütend, weil Vandor abends um 23:00 Uhr keine Ruhe gab, und mal wieder im Zerstörungsmodus war. Ich habe ihn mir am Halsband geschnappt, habe ihn leicht angerempelt und ein deutliches nein hervorgebracht und dass es jetzt reicht.
Erschrocken schaute er mich an, wich vor mir zurück, legte sich hin und schlief die ganze Nacht durch. Seitdem scheint er mich als Autoritätsperson anzuerkennen. Auch jetzt hat er noch kleinere Anfälle von „Raserei“ die ich ihm in Maßen auch zugestehe und die ich vor allem lenken kann.

Niemals hätte ich gedacht, mal so energisch mit einem Hund umgehen zu müssen, Vandor hat mich eines Besseren belehrt. Wir mögen uns inzwischen sehr gerne, vertrauen uns und er respektiert auch, so gut es ihm nach der kurzen Zeit gelingen kann, unsere Grenzen.

Einem glücklichen Zusammenleben mit unseren Knallkopp Vandor steht jetzt nichts mehr im Wege und ich bin froh, den Abgabe-Impulsen der ersten Wochen nicht nachgegeben zu haben.

Ein Tier, gerade aus dem Auslandstierschutz, ist immer ein Überraschungspaket, manchmal leicht zu führen und manchmal eine echte Hausforderung. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, nicht aufzugeben und dem Hund die Möglichkeit zu geben, sich anpassen zu lernen.

Erika und das Pusztahunde-Team

 
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