"Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt".
(Rainer M. Rilke)

Zuhause gefunden

Chopper - jetzt Momo

Lieber Chopper - jetzt Momo
Der Brief über dein neues Leben und wie du es empfindest ist zwar sehr lang, aber dennoch möchte ich ihn so veröffentlichen, da er sehr schön und liebevoll reell ist.
Momo schreibt:

Vor gut 14 Tagen hat sich mein Leben komplett geändert. War ich es gewohnt in einem großen Tierheim mit anderen Hunden zu leben, so kam plötzlich der Tag, an dem sich das für immer ändern sollte. Nachdem ich mich in einer Box wieder fand, nahm ich wahr, dass wir uns in etwas fortbewegten. Immerhin waren ein paar meiner alt bekannten Kumpels in meiner Nähe, aber auch sie schienen sich nicht sonderlich zu freuen, sondern waren eher verunsichert, nervös und aufgeregt - ich ganz besonders. War ich schon immer ein Hund gewesen, der neue Situationen nicht unbedingt bevorzugte und eher das Altbekannte liebte, so übermannte mich schon bald die Angst. Nun ja, da waren wir also, in einem Gefährt, eingesperrt in eine Box, unbekannte Geräusche, neue Situation. Hmm, was soll ich sagen, toll fand ich das nicht wirklich….

Plötzlich hielten wir an. Hoffnung machte sich breit, waren wir etwa wieder in alt bekannter Umgebung? Die Türen öffneten sich, ich hörte Menschenstimmen, sah zwei Gesichter mich anlächeln und schwups wurde ich samt Box von Gefährt eins zu Gefährt zwei transportiert. Naja, mir sollte es recht sein, rausgekommen wäre ich aus meiner Box sowieso nicht. Wieder ging das Holpern los und kurze Zeit später hielten wir wieder an. Dieses Mal vielleicht in alt bekannter Umgebung? Pustekuchen. Lächelnde Gesichter Nummer eins und Nummer zwei trugen mich samt Box wieder an einen anderen Ort und plötzlich wurde die Tür meiner Box geöffnet. Ich roch schon mal, dass es hier nach anderem Hund roch - gutes Zeichen. Auch konnte ich keinen Angstschweiß o. ä. mehr ausmachen, sodass ich es wagte, doch einmal meine Box zu verlassen und zu schauen, wo genau ich war…

Nun ja, da war ich also. Ein weißer kleiner Hund nahm Kontakt mit mir auf, er schien nett zu sein. Ich erkundete vorsichtig das Zimmer oder was auch immer das genau war, nahm wahr, dass da wieder diese zwei Gesichter waren, jetzt gehörte auch ein Körper zu ihnen. Gott sei Dank wollten sie aber nichts von mir - sie saßen da nur so rum und unterhielten sich miteinander. So hatte ich Zeit mich mit dem anderen Hund zu beschäftigen und die Räumlichkeiten zu erkunden. Ich trank erst einmal ausführlich (stellt euch vor: Ein Napf für nur zwei Hunde! Der Hammer!). Naja, irgendwann bewegten sich diese Körper auch einmal und kamen mir näher - gruselig, gruselig, gruselig! Ich bin stark, ich kann das, ich bin groß, sagte ich mir immer wieder. Naja es half vielleicht ein bisschen, zumindest konnte ich zulassen, dass dieser eine Körper mich an der Leine mit Abstand zu mir nach draußen brachte. Ewig standen wir da rum und glotzten in die Dunkelheit. Naja, vielleicht machen das Körper so, dachte ich. Mir war das irgendwann zu anstrengend und ich legte mich in eine Ecke. Dort wollte ich die Nacht verbringen; so aber nicht diese Körper. Erst meinen sie mit einem ne Stunde im „Garten“, wie sie es nannten, rumzustehen und dann, wenn man endlich mal schlafen möchte, wird man wieder ins Haus gezerrt. Naja, kann ja nur besser werden…

Nun gut, ich möchte euch jetzt nicht alle Einzelheiten der letzten vierzehn Tage berichten, sonst wird das ein echt langer Brief. Aber kommen wir zu dem heute. Heute, nach nur 14 Tagen, kann ich sagen, dass dieser kleine weiße Hund nicht immer bei uns ist. Er kommt manchmal zu Besuch. Ist aber auch völlig ok, weil, passt auf, ich habe herausgefunden, dass dieser eine Körper, ich glaube man nennt ihn „Mensch“, gar nicht so übel ist. Sie scheint recht nett zu sein, und Geduld hat sie auf alle Fälle. Sie füttert mich jeden Tag, sogar zwei Mal aus MEINEM Napf. Leute, ich habe einen eigenen Napf, Hammer! Außerdem gehen wir nicht mehr in diesem Garten, zumindest nicht ständig, sondern auf andere Wege, Wiesen und sogar in den Wald. Das ist echt spannend. Ok, zugegeben, es gibt auch herausfordernde Situationen (Autos sind nicht meins, aber ich behalte die Nerven inzwischen, laute Geräusche sind widerlich, aber ich gehe dann einfach zu diesem Menschen und dann ist es aushaltbar), aber alles in allem muss ich sagen, es ist irgendwie ziemlich gut und spannend hier. Das Größte ist: Ich habe ein Körbchen (naja eigentlich vier, wenn man es genau nimmt) und ich liebe es! Es ist flauschig und man kann auch Spielsachen darin verstecken. Es kommen immer mal Hunde zu Besuch (ist super zum Spielen, ist genauso super, dass sie nicht für immer bleiben) und denen habe ich auch schon „gesagt“, dass das MEIN Körbchen ist. Fand der Mensch nicht so gut, aber hallo? Wieso bitte sollte ich das wieder hergeben? Alles in allem kann ich sagen, dass ich nie gedacht hätte, dass es so viel von der Welt noch zu sehen gibt, und ich hoffe inständig, dass meine Kumpels aus Ungarn auch bald eine solche Reise antreten können. Obwohl ich ein Hund bin, der wie gesagt nicht unbedingt die Herausforderung liebt (vielleicht untertreibe ich etwas, aber ich mag dieses A.[1]-Wort nicht), kann ich euch sagen, es rentiert sich. Es gibt Menschen, die echt nicht die totale Katastrophe sind und ich habe einen solchen gefunden. Ich entwickle mich jeden Tag und zeige meinem Menschen, was in mir stecken kann, wenn mir mit genügend Geduld und Ruhe begegnet werden kann. Dafür sind ich und mein Mensch sehr dankbar.

Alles Liebe für euch, euer Momo alias Chopper

 

[1] Kommentar meines Menschen: A. = Angst (War ja klar, dass sie es doch aussprechen muss)

Ich danke dir dafür und wünsche euch weiter alles Liebe. Freue mich aber auch auf weitere Berichte von dir.

Carola und das Pusztahunde - Team

 
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