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Geisterhunde aus Orosháza - Ricsi

05.06.2023
Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,

in unserem großen Tierheim in Orosháza gibt es ein paar Hunde, die bekommen Sie niemals zu sehen, denn sie können aus unterschiedlichen Gründen nicht in die Vermittlung. Und, weil niemand jemals so recht Zeit hat, sind sie auch noch nicht bis zu unseren „Unvermittelbaren“ gekommen. Man verwendet das bisschen Zeit, das man hat, auf die weniger hoffnungslosen Fälle. So werden aus den „Gesichtslosen“ regelrechte Geisterhunde, die niemand jemals wahrnimmt. Nicht genug, dass sie ein trauriges Leben führen, ohne jede Hoffnung auf ein Happy End. Traurig ist es noch dazu, dass niemand von ihnen weiß…

Zwar ändern wir das Schicksal der „Lebenslangen“ nicht durch ihre Vorstellung. Aber vielleicht macht es irgendwann im Universum doch mal einen Unterschied, ob Menschen über sie gesprochen haben und an ihrem Schicksal Anteil genommen haben…wer weiß.

Unser Geisterhund Nr. 4 ist Ricsi, ein sanfter Riese.

Ricsi ist ein waschechter Komondor. Schätzungsweise ist er 9 Jahre, davon ist er bereits mehr als die Hälfte im Tierheim. 5 lange Jahre, um genau zu sein.

Unsere Tierheimleiterin Icus kennt Ricsi schon seit er sechs oder sieben Monate alt war. Denn irgendwann einmal wurde sie von Mitarbeitern einer Spedition angesprochen, dass sich auf deren Gelände ein junger, sehr abgemagerter Hund rumtrieb. Sie fuhr ein paar Tage später hin, um ihn abzuholen. In diesen paar Tagen hatte sich einer der Fahrer aber mit dem jungen Hund angefreundet und wollte nicht, dass er ins Tierheim kam.

Also durfte Ricsi mit dem jungen Mann nach Hause. Er lebte dort zufrieden im Garten des Hauses. Er bekam Zuneigung und genug Futter. Der junge Mann und unser Ricsi waren Freunde. Diese Freundschaft wurde jäh beendet, als der Junge Mann bei der Arbeit tödlich verunglückte.

Die Mutter des jungen Mannes übernahm Ricsi. Sie war durch den frühen Tod ihres Sohne aber so angeschlagen... und Ricsi erinnerte sie noch dazu täglich an ihn... dass sie die Gegenwart des großen Hundes nicht ertragen konnte. Ricsi musste daher mit ca. 4 Jahren ins Tierheim umsiedeln.

Ricsi hat es leider nie in die Vermittlung geschafft, obwohl er eigentlich ein wirklich lieber Junge ist … bis man ihm die Leine anlegen möchte oder ihn zum Scheren festhalten will. Das ist überhaupt nicht nach seinem Geschmack und er wird böse. Leider sind alle Trainingsversuche diesbezüglich bislang gescheitert. Wenn ein Herdenschutzhund wie Ricsi, der vielleicht 60-70 cm Schulterhöhe und 45 kg auf die Waage bringt, etwas partout nicht möchte, und sich dementsprechend verhält, ist dies recht beeindruckend….und kann leider auch schnell gefährlich werden. Unser Großer hat bei dem jungen Mann ohne Halsband und ohne Leine gelebt. Er musste nie etwas und sein Besitzer hat ihm nie etwas beigebracht. Ricsi durfte ein freies und selbstbestimmtes Leben führen...eigentlich ein Traum für einen Komondor. Ach hätten sich doch die Lebensumstände für den Großen nicht geändert. Haben sie aber. Und leider rächt es sich  nun und besiegelt knallhart Ricsis Schicksal, ein ewiger Insasse des Tierheims bleiben zu müssen.

Könnte man Ricsi händeln, wäre er eigentlich ein wunderbarer Haus- und Hofhund. Er würde sich gut um alles kümmern und ein treuer und freundlicher Mitbewohner sein.

Auf seine Herde würde er nichts kommen lassen. Solange man ihn in Ruhe lässt.

Zu viele Wenns und Abers! Denn wie bekommt man einen dicken Brocken wie ihn an einen anderen Ort, wenn man ihm kein Halsband und keine Leine umlegen kann?? Wie käme er auf der Fahrt in einem engen Kennel zurecht ohne seine gewohnte Bewegungsfreiheit? Wie würde er anfangs reagieren, wenn er an einem für ihn unbekannten Ort wäre, umgeben von unbekannten Menschen? Wer würde sich auf so etwas einlassen wollen? Und wer würde dafür die Verantwortung übernehmen wollen? Zu viele Unwägbarkeiten für eine Vermittlung.

Lieber Ricsi, unser einziger Trost ist, dass es dir im Tierheim nicht schlecht geht. Du lebst in einem relativ großen Auslauf. Du bekommst genügend Futter und Menschen schauen regelmäßig nach dir, ob es dir gut geht. Aber unterm Strich führst du ein wirklich einsames Leben. Menschliche Gesellschaft hättest du gerne. Aber die kannst du nicht bekommen.

Wie wunderbar ist die Vorstellung, dass du der stolze Herr deines eigenen großen Reviers bist und ein wachsames Auge auf deine Herde hast. Das wird leider ein Traum bleiben, den du nie wirst leben können....weil ein Mensch es zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht hat.

Wenn das Schicksal unseres einsamen Streiters Ricsi euch berührt und ihr ihn unterstützen möchtet, könnt ihr das zum Beispiel mit einer Futterpatenschaft tun -Betrag frei wählbar. Schreibt einfach Kai an, der kümmert sich drum: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Oder vielleicht wollt ihr unserem freiheitsliebenden Jungen ein paar Leckereien schicken…hier die Adresse:

Projekt-Pusztahunde, Roy 3, 24392 Süderbrarup

Schreibt „Ricsi“ drauf, dann kommt es an, und Kai kann dem großen Jungen mit den seltenen Leckereien für ein paar Minuten die Tristesse des Altags vergessen machen.

Herzlichst, euer Pusztahunde-Team

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